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BurnOut verstehen: Schritt für Schritt in die Erschöpfung

Manchmal wirkt das Chaos in meinem Kopf heute amüsant. Ein Admin-Tag mit Belegsuche kann durchaus Unterhaltungswert haben.

Aber lange bevor ich darüber lachen konnte, hatte dieses innere Durcheinander auch eine andere Seite. Eine, die mich Schritt für Schritt an meine Grenzen gebracht hat.

Der Blick zurück führt mich ins Jahr 2019. Damals war ich noch ein völlig normaler Mensch.


Mein Leben vor dem BurnOut: Funktionieren, leisten, weitermachen


Ich arbeitete als Teamleiterin im Business Development eines Dienstleistungs-unternehmens in der Softwareentwicklung. Der Job war anspruchsvoll, aber ich machte meine Arbeit gut: Beziehungen aufbauen, Kunden verstehen, Lösungen finden.

Von Softwareentwicklung hatte ich allerdings keine Ahnung. Wenn ein Gespräch plötzlich einen technologischen Deep-Dive nahm, gelang es mir meist charmant, einen unserer Fachleute ins Spiel zu bringen. Problem gelöst. Kunde zufrieden.

Und ich? Das Herzrasen beruhigte sich irgendwann wieder.

Gedankenkreisen und Erschöpfung gehörten in einem anspruchsvollen Job ja irgendwie dazu. Das hatten schliesslich alle. Oder nicht?


Rückblick: Schon immer ein bisschen anders


Wenn ich weiter zurückblicke, erkenne ich Muster.

In Schule und Ausbildung war ich diejenige, die nachfragte und den Hintergrund verstehen wollte und zwar so lange, bis ich den Lehrern gehörig auf die Nerven ging. Gleichzeitig gab es Momente, auf die ich bis heute stolz bin. Zum Beispiel, als einer meiner Aufsätze für die ganze Klasse vervielfältigt wurde. Damals noch auf speziellen Durchschlagbögen, die stark nach Tinte rochen. Und nach Erfolg. Nach «gut gemacht». Nach «für einmal richtig funktioniert».

Nach der Lehre im Hotelfach entschied ich mich für ein Sprachstudium. Warum ich den kreativen Weg in der Hotelerie wieder verlassen habe, weiss ich bis heute nicht genau. Vielleicht, weil eine «einfache Hotelfachfrau» in meiner Familie irgendwie nicht ins Bild passte. Andere studierten Medizin, Jura oder an der London School of Economics.

Also beschloss ich, immerhin Übersetzerin zu werden. Kann schliesslich auch kreativ sein! Englisch sprach ich fliessend. Und ich liebte das Spiel mit Sprache. Diese sogenannten „50-Cent-Words“, die genau auf den Punkt treffen.

Trotzdem landete ich im klassischen Bürojob.

Rückblickend versuchte ich vor allem eines: mich anzupassen. Mehr Struktur, mehr Disziplin, mehr Kontrolle. Doch vieles, was für andere selbstverständlich funktionierte, fühlte sich für mich immer wieder wie ein Kampf an.


Stellenwechsel und Selbstzweifel: Wenn man sich selbst zum Problem macht


So unzusammenhängend wir meine Ausbildungen verlief auch meine berufliche Laufbahn. Lange hielt ich es nie an einem Ort aus.

Ein Chef wollte von mir zu jedem Komma die Regel erklärt haben. Ein anderer involvierte mich in Finanzthemen. Der nächste in juristische Fragestellungen.

Zahlen und Paragraphen. Zu strikt, zu geregelt, zu wenig Bewegung. Also zog ich weiter. Und machte mich selbst für die Wechsel verantwortlich.

Zu wenig konzentriert. Zu wenig diszipliniert. Einfach zu wenig.

Dann begann ich, immer mehr Struktur in meinen Alltag einzubauen. Struktur sollte ja bekanntlich helfen. «Sitz still.» «Geh Schritt für Schritt vor.» «Konzentrier dich doch einfach.» «Timeboxing!!!» Solche Sätze und Schlagwörter hatte ich schon in der Schule gehört. Geholfen haben sie nicht wirklich.

Dumm halt. Träumerin. Zappelphilipp.


BurnOut Ursachen erkennen: Der Preis der ständigen Anpassung


Heute sehe ich klarer, was damals passiert ist. Ich habe jahrelang versucht, in eine Form zu passen, die nicht meine war. Wie ein rundes Holzstück, das mit genug Druck doch irgendwie in eine eckige Öffnung gezwungen werden soll.

Meine perfektionistischen Strategien haben das lange kaschiert. Bis es nicht mehr ging. Anfang 2019 funktionierte ich noch. Mit Herzrasen, Gedankenkreisen und immer mehr Anpassung. Bis mein Körper irgendwann die Reissleine zog.

Erst leise. Dann klar. Schliesslich unmissverständlich.


Fortsetzung folgt.


 
 

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