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BurnOut bewältigen: In der Klinik – zwischen Erschöpfung, Panik und langsamer Veränderung

Ankunft in der BurnOut Klinik


Als ich in der Klinik ankam, war da zunächst kein Gefühl von Erleichterung, kein Ankommen, kein „Jetzt wird alles besser“, sondern vor allem eines: eine diffuse, schwer greifbare Verwirrung, die sich wie ein leiser, aber hartnäckiger Zweifel durch alles zog.

Was machte ich eigentlich hier? Hatte ich wirklich das Recht, hier zu sein? Und wem nahm ich mit meiner Anwesenheit möglicherweise den Platz weg: jemandem, der ihn „wirklich“ brauchte?


Zum ersten Mal seit langer Zeit musste ich nicht mehr funktionieren, keine Meetings vorbereiten, keine Entscheidungen treffen, keine Verantwortung tragen; und genau dieser Raum, diese ungewohnte Leere, die eigentlich Entlastung hätte sein sollen, wurde für mich zunächst kaum aushaltbar.

Denn mit der Ruhe kam nicht die Erholung. Mit der Ruhe kam die Panik.


Körperliches Versagen im BurnOut


Schon nach wenigen Nächten reagierte mein Körper deutlich: massiv erhöhter Blutdruck, Verlegung in ein Notfallzimmer, ohne meine Sachen, ohne Vorbereitung, ohne jede Form von Kontrolle über die Situation.

Was diese Nacht in mir ausgelöst hat, lässt sich rückblickend nur schwer beschreiben, weil es sich jeder rationalen Einordnung entzieht: Zittern, das den ganzen Körper erfasste, Blutdruckwerte jenseits von 180, ein Zustand permanenter Alarmbereitschaft, der sich nicht mehr regulieren liess, und eine Angst, die so umfassend war, dass sie keinen Raum mehr für Gedanken liess.


Auch die Tage danach fühlten sich an, als würde sich alles nur noch zäh und mit grossem Widerstand bewegen.

Ich erinnere mich an einen Spaziergang mit einem Klinik-Gspändli: nicht weit, wirklich nicht weit. An den Moment, an dem sie vorschlug, sich auf eine Bank zu setzen, und ich innerlich kurz innehielt, weil ich mich doch eigentlich fit fühlte, weil ich doch überzeugt war, noch zu funktionieren, während sie, älter und bereits am Ende ihres Aufenthalts, scheinbar diejenige war, die eine Pause brauchte.

Wir setzten uns. Und dann kam sie. Diese Erschöpfung. Meine Erschöpfung. Nicht langsam. Nicht vorsichtig. Sondern vollständig. Ein Absinken, das sich nicht mehr wegdiskutieren liess. Ein Körper, der einfach stehen blieb.

Wir sassen lange. Redeten. Schwiegen. Warteten. Bis der Rückweg wieder möglich war.


Ein anderes Mal beschloss ich, den kleinen Hügel hinter der Klinik zu erklimmen, hinauf zu der Burgruine Rohan, nichts Spektakuläres, eher ein Spaziergang als eine Herausforderung; zumindest dachte ich das.

Kurz vor dem Ziel wurden meine Schritte schwer. Unverhältnismässig schwer. „Das ist jetzt wohl ein Scherz“, sagte ich mir. Und zwang mich weiter.

Oben angekommen machte ich die Übungen, die wir bereits gelernt hatten: Atmen. Wahrnehmen. Still werden.

Beim Abstieg war ich stolz. Fast ein bisschen trotzig stolz. Ich hatte es geschafft! Mir ging es gut!

Am nächsten Tag konnte ich nicht mehr aufstehen. Keine Kraft. Kein Spielraum. Game over.

Dieser Zustand zwang mich zum Innehalten. Unfreiwillig, ungeplant, unumgänglich. Mein Körper war erschöpft. Mein Kopf überreizt. Geräusche wurden zu laut. Gespräche zu anstrengend. Ich fühlte mich gleichzeitig leer und überfordert.


Der Klinikalltag gab mir eine Struktur, die ich so nicht kannte. Nicht leistungsorientiert. Nicht getrieben. Sondern geführt. Ich musste lernen, Verantwortung abzugeben. Mich darauf einzulassen, dass jemand anderes vorgibt, was jetzt dran ist.

Gespräche. Körperarbeit. Kunst. Musik. Vorträge. Geregelte Mahlzeiten. Qigong am Morgen. Entspannung am Abend. Vieles war fremd. Manches unangenehm. Vor allem am Anfang war es mir fast unmöglich das in Worte zu fassen, was mich beschäftigte. Nicht nur die Therapeuten verzweifelten, ich auch.

Und trotzdem begann sich etwas zu verschieben. Langsam.


BurnOut Genesung: kleine Schritte, grosse Wirkung


Blick von der Burg Rohan zum Piz Chasté (links)
Blick von der Burg Rohan zum Piz Chasté (links)

Es waren keine grossen Durchbrüche. Keine plötzlichen Erkenntnisse. Eher kleine Momente. Ich begann wieder zu spüren. Meinen Körper. Seine Grenzen. Und irgendwann auch mich.

Vom der Burg Rohan aus sah man den Piz Chasté. Fast 2'900 Meter hoch. Am Anfang meines Aufenthaltes war das einfach nur ein Berg. Weit weg. Unerreichbar.

Dann wurde er zu einem Gedanken. Und irgendwann zu einem Ziel. Ich wollte da hoch bevor ich entlassen würde.


Der Weg war nicht leicht. Aber er war möglich. Ich fing an zu trainieren. Sowohl im Fitness, als auch bei immer ausgedehnteren Wanderungen in der Umgebung. Einige Mitpatienten schlossen sich meinem «Projekt Piz Chasté» an.

Und dann, etwa eine Woche vor Ende meines Aufenthaltes war es so weit. Wir starteten auf unsere Expedition. Schritt für Schritt. Mit Pausen. Ohne Druck.

«Hast Du den schönen Schmetterling gesehen? Den Fliegenpilz am Wegesrand?» Diese neue Aufmerksamkeit war wichtig: achtsam leisten. Immer darauf hören: «wie geht es mir gerade?»


Und irgendwann stand ich oben. Nicht stark. Nicht unbesiegbar. Aber da. Zwischen dem kleinen Hügel mit der Burg und dem Gipfel des Piz Chasté lag mehr als nur ein Weg. Dort lag mein Anfang.

Nicht der zurück in mein altes Leben. Sondern in ein neues. Eines, in dem ich nicht mehr gegen meinen Körper arbeite. Sondern mit ihm.


Fortsetzung folgt.

 
 

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