Für andere da sein – aber nicht um jeden Preis
Kennst du das Gefühl, dass andere sich auf dich verlassen können? Du hältst, was du versprichst, kümmerst dich, wenn jemand Hilfe braucht, und versuchst, auch dann noch eine Lösung zu finden, wenn es für dich selbst gerade nicht so einfach ist. Vielleicht bist du sogar ein bisschen stolz darauf, zuverlässig zu sein. Ich jedenfalls finde es schön, wenn Menschen wissen, dass sie auf mich zählen können.
Doch irgendwann stellt sich eine Frage, die nicht ganz so bequem ist: Bin ich für andere da, weil ich es möchte, oder weil ich das Gefühl habe, es tun zu müssen?
Wenn aus Zuverlässigkeit eine Pflicht wird

Es beginnt oft ganz unscheinbar. Jemand fragt um Hilfe, und obwohl der eigene Tag bereits voll ist, sagen wir zu. Eine zusätzliche Aufgabe kommt dazu, und wir übernehmen sie, weil es sonst niemand macht. Vielleicht wollen wir niemanden enttäuschen, vielleicht möchten wir gebraucht werden, oder wir haben einfach gelernt, dass man sich auf uns verlassen können muss. Und ehe wir uns versehen, richten wir unseren Alltag immer wieder nach den Erwartungen anderer aus, während unsere eigenen Bedürfnisse irgendwo dazwischen Platz finden sollen.
Dabei merken wir manchmal gar nicht, wie viel Energie uns dieses Verhalten kostet. Nach aussen funktioniert alles bestens, die Aufgaben werden erledigt und die anderen können sich auf uns verlassen. Doch wie sieht es eigentlich in uns drin aus? Sind wir noch mit Freude dabei, oder machen wir längst weiter, obwohl wir müde sind, eine Pause bräuchten oder am liebsten einfach einmal Nein sagen würden?
Perfektionismus: Der Anspruch, es richtig zu machen
Vielleicht erinnerst du dich an meinen Blog über Perfektionismus und meine Orientierungslosigkeit in einer Stadt, die ich eigentlich gut kennen sollte. Es war nicht einfach die Tatsache, dass ich den Weg nicht sofort fand, die mich so unter Druck setzte. Es war vor allem mein eigener Anspruch, dass ich das doch können müsste.
Ähnlich kann es mit unserer Zuverlässigkeit sein. Wir möchten nicht nur zuverlässig sein, sondern es möglichst immer, für alle und in jeder Situation. Wir möchten niemanden enttäuschen und glauben vielleicht, dass wir eine Aufgabe nur dann gut genug erfüllen, wenn wir dafür unsere eigenen Grenzen ein wenig verschieben. Aus einem Wert, der uns wichtig ist, wird so schnell eine Verpflichtung, der wir kaum mehr entkommen.
Doch zuverlässig zu sein bedeutet nicht, jederzeit verfügbar zu sein. Es bedeutet auch nicht, alles zu übernehmen oder die eigenen Bedürfnisse so lange zurückzustellen, bis nichts mehr geht.
Grenzen setzen: Darf ich auch mal NEIN sagen?
Ich glaube, dass echte Zuverlässigkeit auch Ehrlichkeit braucht. Gegenüber anderen, aber ebenso gegenüber uns selbst. Manchmal können wir etwas übernehmen, manchmal brauchen wir mehr Zeit, und manchmal müssen wir zugeben, dass unsere Kräfte oder unsere Möglichkeiten gerade nicht ausreichen. Das macht uns nicht weniger zuverlässig. Es bedeutet vielmehr, dass wir Verantwortung übernehmen – auch für das, was wir versprechen und tatsächlich leisten können.
Vielleicht dürfen wir deshalb damit beginnen, uns selbst eine andere Frage zu stellen: Nicht nur «Kann ich das für die anderen möglich machen?», sondern auch «Was bedeutet es für mich, wenn ich Ja sage? Oder gar Nein?».
Denn für andere da zu sein, kann etwas sehr Wertvolles sein. Es darf uns verbinden, Freude machen und das Gefühl geben, etwas Sinnvolles beizutragen. Aber es sollte nicht bedeuten, dass wir uns selbst dabei aus den Augen verlieren.
Und wie ist das bei dir? Kannst du gut für andere da sein, ohne dich selbst zu vergessen? Oder fällt es dir manchmal schwer, Nein zu sagen, obwohl du längst spürst, dass es zu viel wird?
Vielleicht beginnt Veränderung genau mit diesem kurzen Innehalten. Und vielleicht ist ein Nein zu einer zusätzlichen Aufgabe manchmal auch ein Ja zu dir selbst.
Wenn es dir schwerfällt, Nein zu sagen, obwohl du eigentlich spürst, dass es nötig wäre, schauen wir gerne gemeinsam hin. Zusammen finden wir heraus, was dich davon abhält, deine Grenzen zu setzen, und wie du Schritt für Schritt lernen kannst, auch einmal Nein zu sagen – ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
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Fortsetzung folgt




